Heuristische Evaluation

Februar 10th, 2010

Die Heuristische Evaluation nach Nielsen (1993) ist ein pragmatisches und kostenorientiertes Verfahren, bei dem sich mehrere Ergonomieexperten mit einer vorgegebenen Benutzungsschnittstelle auseinandersetzen. Die Eigenschaften des Interfaces werden mit einem Satz allgemein anerkannter Gestaltungsgrundsätze (HeuristikenHeuristiken) verglichen und Verletzungen dieser Prinzipien als (potenzielle) Nutzungsprobleme dokumentiert.

Die Vorteile dieser Methode liegen in ihrer Einfachheit und Schnelligkeit. Mit einer geringen Zahl an Evaluatoren kann ein großer Teil der Nutzungsprobleme identifiziert werden. Die Nachteile bestehen darin, dass die Gutachter nicht die wirklichen Benutzer sind. Deshalb ist diese Form der Evaluation während früher Stadien des Designs im Rahmen einer Produktentwicklung zu empfehlen (z.B. Bewertung von Storyboards, Designstudien oder Papier-Prototypen), wenn die Ergebnisse hauptsächlich an das eigene Entwicklungsteam zurückfließen.

Heuristiken

Februar 10th, 2010

Nach Nielsen und Molich lassen sich ein Großteil der Usability-Probleme einer Website in folgende 10 Richtlinien zusammenfassen.

  • Sichtbarkeit des Systemstatus – “Provide feedback”:Der Anwender sollte ständig darüber informiert sein/werden, was gerade geschieht und muss vom System entsprechende Rückmeldungen erhalten.
  • Übereinstimmung zwischen dem System und der realen Welt – “Speak the users language”: Die Anwendung muss sich an Worten, Phrasen und Konzepten orientieren, die dem Anwender vertraut sind, also sozusagen “seine Sprache sprechen”.
  • Benutzerkontrolle und -freiheit – “Provide clearly marked exits”: Dem Anwender müssen “Notausgänge” geboten werden, um eine unerwünschte Aktion rückgängig machen zu können oder einen versehentlich rückgängig gemachte Zustand wiederherstellen zu können. Beispiel: Rückgängigmachen der letzten Aktion, Wiederholung der letzten Aktion.
  • Konsistenz und Standards – “Be consistent”: Begriffe und Funktionen sollten konsistent verwendet werden. Beispiel: gleiche Bezeichnungen für gleiche Funktionen.
  • Fehlerverhütung – “Prevent errors”: Das Design sollte Fehler möglichst gar nicht erst aufkommen lassen (vgl. Fehlertoleranz/-behebbarkeitFehlertoleranz – Fehleingaben sollten durch keinen oder minimalen Aufwand behebbar sein)
  • Wiedererkennen, statt sich erinnern – “Minimize user memory load”: Objekte, Optionen und Aktionen sollten sichtbar, Instuktionen leicht auffindbar sein um den Benutzer nicht dazu zu zwingen sich an früher angezeigte Informationen erinnern zu müssen.
  • Flexibilität und Effizienz der Benutzung – “Provide shortcuts”: Der Benutzer sollte häufig auftretende Aktionen anpassen können, um eine schnellere Bedienung zu ermöglichen.
  • Ästhetik und minimalistisches Design – “Simple an natural dialog”: Der Anweder sollte nicht mit Inforamtionen “überfrachtet” werden, irrelevante Informationen sind zu vermeiden, um die Orientierung und Aufmerksamkeit des Benutzers nicht fehlzuleiten.
  • Hilfe beim Erkennen, Diagnostizieren und Beheben von Fehlern – “Good error messages”: Fehlermeldungen sollten eine präzise Problembeschreibung geben und konstruktive Lösungen vorschlagen. Beispiel für schlechte Fehlermeldungen: kryptische Fehlercodes.
  • Hilfe und Dokumentation: Hilfsinformationen sollten leicht auffindbar sein, der Situation angepasst und konkrete Lösungsschritte nennen und außerdem so knapp wir möglich sein, um dem Anwender eine “schnelle” Übersicht zu geben.

 

Quelle: Nielsen & Molich (1990)